Posts mit dem Label Gay Related Film werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Gay Related Film werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Samstag, 20. Juni 2009

Le Placard (Frankreich 2000)

Mit einem Budget von fast 100 Millionen Francs und einem ungewöhnlichen Aufgebot an Filmstars avancierte Le Placard (EIN MANN SIEHT ROSA), die französische Antwort auf DER BEWEGTE MANN, zum Komödienüberflieger und spielte selbst in den USA bisher 18 Mal mehr ein als einst Ralf Königs Filmadaption.

Zufällig erfährt die graue Maus François Pignon (Daniel Auteuil, DIEBE DER NACHT) von seiner Kündigung als Buchhalter einer Kondomfabrik. Doch der schwule Nachbarsrentner (Michel Aumont, HIPPOLYTES FEST) spendet pragmatischen Rat und schickt kommentarlos eine Fotomontage François' in eindeutig schwuler Positur an die Firma. Pignons Chef (Jean Rochefort, BARRACUDA) wittert einen Boykott der Hauptzielgruppe seines Kundenstammes wegen vermeintlich homophober Firmenpolitik und weist nicht nur eine Beförderung Pignons an, sondern untersagt geschäftsmännisch jegliche Schwulenfeindlichkeit am Arbeitsplatz. Ein schwerer Schlag für Machorüpel Félix (Gérard Depardieu, ABENDANZUG). Seine schadenfrohen Kollegen (Thierry Lhermitte, LITTLE INDIAN - EIN INDIANER IN PARIS) flunkern ihm vor, er stehe ganz oben auf der Abschussliste, wenn er nicht seine geballte Weltoffenheit in Sachen "Der Schwule - mein bester Freund" hervorkitzele. Sohnemann findet Papa plötzlich ungemein cool, und selbst die Ex-Frau bekundet ungewöhnliches Interesse, während Kollegin Bertrand (Michèle Laroque, MEIN LEBEN IN ROSAROT) sich auf die Fahnen geschrieben hat, Pignon als Orientierungshochstapler zu enttarnen...

LE PLACARD ist ein Mainstreamfilm, der dadurch besticht, dass er ebenso, eher sogar besonders von einem schwulen Publikum genossen werden kann. Hochnotpeinlicher gelenkgeknickter "Ich mach auf schwul" Slapstick bleibt uns dankend erspart. Stattdessen verändert Pignon sein Verhalten mit keinem Wimpernschlag. Vielmehr lässt er den neuen Wahrnehmungsphantasien seiner Mitmenschen freien Lauf. So schlägt dem Betriebshomo wider der Realität alsbald nicht nur das Kaleidoskop schwuler Klischees entgegen, sondern auch Wellen schleimigster PC-Toleranz.


Samstag, 14. Februar 2009

Absolument Fabuleux (Frankreich 2001)

Bekanntlich lassen es sich die Amerikaner nicht nehmen, französische Kultfilme wie AUSSER ATEM oder NIKITA neu zu kreieren. Diesmal jedoch haben die Franzosen einen klasse Stoff von den Briten eingeheimst und einen verwegenen Wunsch realisiert: den TV-Kulttrash ABSOLUTELY FABULOUS auf Celluloid zu bannen. Très français, aber dennoch très kultig.

Jennifer Saunders, Schöpferin, Produzentin und Co-Star der Original-Serie, war begeistert und beehrt die deftige Comedy mit einem Gastauftritt. Dicht gefolgt von Prominentencameos im Kaliber der atemberaubenden Catherine Deneuve oder eines Jean-Paul Gaultier, der sich im übrigen für die künstlerisch schrille Leitung des Film verantwortlich zeigt.

Ansonsten ist bei ABSOLUMENT FABULEUX business as usual: Das exzentrische Gespann Eddie und Patsy – genial verkörpert von den gestandenen Aktricen Josiane Balasko und Nathalie Baye – quält seine Umwelt mit größtem Enthusiasmus, allen voran Eddies prüde Tochter Safrane. Geschmacklose Shoppingorgien, kontinuierlich knallende Champagnerkorken, Korruptionsaffären und diverse Verführungsversuche Minderjähriger oder das Betreiben der erfolglosesten Talentagentur des Landes lassen nur noch eine Frage offen: Schaffen es die beiden zur neuesten Prêt-à-porter rechtzeitig aus dem Knast?

Hier der YouTube Teaser, leider nur auf französisch:

Samstag, 15. November 2008

Elephant (USA 2003)

Der zehnte Spielfilm des offen schwulen Fotografen und Filmemachers Gus Van Sant, der ebenso verdient wie überraschend die Goldene Palme in Cannes gewann, legt es auf hitzige Diskussionen an.

Zunächst folgt er scheinbar planlos einer handvoll attraktiver Jugendlicher, allesamt dargestellt von Laien aus der Umgebung von Portland, durch einen ganz normalen Highschool-Tag. Nach etwa zwanzig Minuten zeigt er fast beiläufig zwei Jungs, die in Combat-Outfit und bis an die Zähne bewaffnet die Schule betreten. In diesem Moment wird klar: Dies ist ein Film über ein Schulmassaker, wie es 1999 in Littleton stattfand. Die Flashbacks und Perspektivenwechsel, die Van Sant nun Schlag auf Schlag folgen lässt, laden bereits gesehene, zuvor unverfängliche Szenen wie mit Starkstrom auf.

Die unerträgliche Spannung kann sich letztendlich nur in nackter Raserei entladen.

Antworten nach dem Warum verweigert Van Sant. Dafür listet er all die Lieblingsspekulationen der Boulevardpresse über die Motive der Täter auf und entwertet sie damit gekonnt.



Die Jungs spielen Videogames, mögen Hitler, ballern gern rum und sind – Gipfel des Affronts – womöglich auch noch schwul.

ELEPHANT wütet wie durch einen Porzellanladen und überrollt uns mit seiner verzweifelten Poesie.



Camp (USA 2003)

Die Gewinner von "Fame Academy" und "DSDS" würden es genau bis ins Vorzimmer vom amerikanischen Camp Bravo schaffen. Denn in Anbetracht der geballten Ladung Talent der jungen Darsteller in CAMP, kann hier jede 12-jährige Göre besser einheizen als Alexander und all die anderen Supermarktketten-Performer.




Die erste große Liebe, der Schweiß stundenlanger Proben und der elterliche Stolz auf die Kids, die zum ersten Mal die Bretter betreten, die die Welt bedeuten – dies alles macht die campy Comedy zu einem unschuldigen Leckerbissen.

Auch die gänsehauterzeugenden Gesangs- und Tanznummern sind vom Allerfeinsten, ebenso wie die Dramen um den supersüßen Gitarrenspieler Vlad (ist er nun schwul oder straight?) oder die neuesten "Who's done it with whom"-Tratschgeschichten.

Fazit: Wer noch immer steif und fest abstreitet, jeeeemals "Popstars" eingeschaltet zu haben, aber trotzdem 'I Wanna Sex U Up' unter der Dusche grölt – für den ist CAMP ein absolutes Muss.

Sonntag, 26. Oktober 2008

Rules Of Attraction (USA 2002)


Hätte Kubrick AMERICAN PIE verfilmt, dann wäre RULES OF ATTRACTION seiner Vision wohl am nächsten gekommen: Sean (James Van Der Beek), ein misanthropischer Kokser, für den das Leben aus Ficks und Manipulation besteht, Paul (Ian Somerhalder), ein schwuler Zyniker, der sich immer in die falschen Jungs verknallt, und die zerbrechliche Lauren (Shannyn Sossamon), die als Jungfrau meint sich taff geben zu müssen, um zu überleben. Als die drei durch eine Reihe von Zufällen aufeinanderprallen, ergeben sich ungeahnte Möglichkeiten für sexuelle Misskommunikation, Drogenkonsum und Gefühlschaos von erheblichem Ausmaß.




Die Studenten des renommierten Camden Colleges, Kaderschmiede der Wohlbetuchten im pittoresken Nordosten der USA, leben nur nach einer Devise: Regeln gibt es keine. In weiteren Paraderollen Faye Dunaway und Swoosie Kurtz als pillenpoppende Mamas – genauso high wie ihre Söhne.







Der bankrotten Moral amerikanischer Bourgeoisie einen in pechschwarzer Satiretinte getauchten Spiegel vorzuhalten war schon immer Brett Easton Ellis erklärtes Ziel. Mit RULES OF ATTRACTION kredenzt uns der Kultautor nach AMERICAN PSYCHO und LESS THAN ZERO ein weiteres Giftpraliné, das die Kritik in den USA wie selten zuvor polarisierte. Regisseur Roger Avary erkannte: Was Kids in den 80ern des letzten Jahrhunderts bewegte, ist auch heute noch aktuell: Die Sprengung moralischer und sexueller Fesseln.






Dienstag, 22. Juli 2008

Poor Boy's Game (Kanada 2007)



Der rechte Schläger Donnie kommt aus dem Knast. Zehn Jahre zuvor prügelte er einen jungen Afro-Kanadier zum Vollinvaliden. Zurück im rassistischen White Trash-Milieu seiner Vergangenheit findet sich Donnie in einem Straßenkampf zwischen den ethnischen Communities der Randbezirke Halifax wieder; einem Kampf, den er selbst mit seiner Tat losgetreten hat. Doch der Knast hat ihn verändert. Nicht nur, dass er seine Boxtechniken ausfeilen konnte – allen Vorurteilen zum Trotz hatte er eine Liebesaffäre mit seinem schwarzen Zellengenossen.


Dieses Geheimnis trennt ihn fortan von seiner homophoben Clique, auf deren Schutz er allerdings angewiesen bleibt. Denn egal ob Knast oder nicht, die Black Community schreit nach Rache für das vergossene Blut und schmiedet einen Vergeltungsplan: Donnie wird zu einem Boxkampf herausgefordert, an dessen Ende sein Tod stehen soll.
Jedoch tritt ein überraschender Trainer auf den Plan. Ausgerechnet der Vater von Donnies Opfer (Danny Glover) will den Jungen für den Ring fit machen …



Clément Virgo inszeniert sein spannendes Sozialdrama um zwei Männer im Kampf gegen den Teufelskreis ihrer Herkunft mit mitreißender Ehrlichkeit. Sicherlich gelingt ihm dies nicht zuletzt dank des großartigen Schauspiel-Duos, Danny Glover und der junge Rossif Sutherland in der Rolle des Donnie.