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Donnerstag, 25. Februar 2010

Make The Yuletide Gay - Eine Überraschung zum Fest (USA 2009)

Auf dem Uni-Campus knutscht Olaf offen mit seinem Lover Nathan, doch die Weihnachtsferien plant er wie die Jahre zuvor wieder „solo“ in ungetrübter Harmonie mit seinen Eltern zu verbringen. Leider ist seine quirlig-perfektionistische Mutter nicht nur fest entschlossen, die Nachbarin mit den weltbesten selbst gemachten Weihnachtsplätzchen zu übertrumpfen. Nein, sie hat es sich auch in den Kopf gesetzt, den vermeintlichen Single-Sohnemann über die Feiertage mit seiner früheren Schulfreundin Abby zu verkuppeln. Entsprechend groß ist die Überraschung, als zur Bescherung der attraktive (aber nicht gerade maskuline) Nathan vor der Tür steht – ohne die geringste Ahnung, dass sein Herzallerliebster zu Hause den braven Hetero mimt. Mit MAKE THE YULETIDE GAY erfüllen sich Regisseur Rob Williams (LONG-TERM RELATIONSHIP) und sein Partner und Produzent Rodney Johnson einen Herzenswunsch: ein schwuler Weihnachtsfilm. Und so spielt ihre muntere Coming-out-Komödie während der stressigsten Jahreszeit, in der bunte Lichterketten und Familien-Nerven unter Hochspannung stehen. Die gut aufgelegten Schauspieler glänzen (allen voran Kelly Keaton als weihnachtsfanatische Mom), und ihre witzig-doppeldeutigen Dialoge funkeln wie Christbaumkugeln. Klar, dass die etwas andere Weihnachtsgeschichte sofort international gefeiert und schon reichlich mit Festivalpreisen dekoriert wurde.



Eating Out III - All You Can Eat (USA 2009)

Der schüchterne Casey hat ein Auge auf den wahnsinnig gut gebauten Zack geworfen. Dieser tröstet sich nach der Trennung von seinem egozentrischen Lover mit Online-Flirts. Casey fürchtet jedoch, nicht so recht ins Beuteraster des Adonis zu fallen. Deshalb rät ihm seine mit allen Wassern gewaschene Freundin Tiffany, mit aufgemotztem Profil an den Start zu gehen. Und damit auch garantiert nichts schief läuft, versorgt sie Casey mit Fotos ihres knackigen Ex-Freundes – Stripper Ryan. Zack ist sofort hingerissen von seinem neuen Chatpartner. Doch als überraschend der fern geglaubte Hetero Ryan wieder auftaucht und sich nichtsahnend einem glühenden gleichgeschlechtlichen Verehrer ausgesetzt sieht, ist die Verwirrung vorprogrammiert. Vermag ausgerechnet ein von Tiffany arrangierter Strip-Crash-Kurs alles wieder ins Lot zu bringen? ... Die Spezialcaterer für scharfe Leckerbissen sind wieder da! Neben altbewährten Zutaten (wie John-Waters-Veteranin Mink Stole und Rebekah Kochan als Mega-Schlampe Tiffany) tischen sie überaus appetitliches Frischfleisch in den männlichen Hauptrollen auf. Der dritte Gang dieser wunderbar albern-überdrehten, hemmungslos unkorrekten Sexkomödie bietet ein üppiges Büffet für Auge und Zwerchfell, das auch Nichtkennern der leichtverdaulichen Erfolgsserie schmecken wird.




Redwoods (USA 2009)

Direkt am Russian River, inmitten der nordkalifornischen Redwoods, leben Everett und der ältere Miles zusammen. Innigkeit und Vertrauen sind mit den Jahren immer stärker geworden – allerdings hat sich auch eine gewisse Routine in die Beziehung eingeschlichen. Dreh- und Angelpunkt der Partnerschaft ist ihr geliebter Ziehsohn Billy, der von beiden die ganze Aufmerksamkeit fordert. Als Miles mit Billy in die Ferien verreist, lernt Strohwitwer Everett eines Tages den attraktiven Schriftsteller Chase kennen (unwiderstehlich: Matthew Montgomery aus BACK SOON), der in der Abgeschiedenheit der Berge an seinem Romandebüt arbeitet. Bald entdecken die Männer neben der gemeinsamen Leidenschaft fürs Schreiben und die Natur auch eine große Sehnsucht nach einander. Everetts fest gefügtes Leben gerät durch die unerwartete Liebe völlig aus dem Gleis. … Regisseur David Lewis’ hochemotionale Story besticht – neben wunderschönen Landschaftsaufnahmen – mit sehr glaubwürdigen Hauptdarstellern, die eindrucksvoll gegen große Gefühle ankämpfen, die sie aus Gründen der Vernunft nicht zulassen wollen. Bewegend, anrührend, lebensnah.





Mittwoch, 11. November 2009

VERZAUBERT Film Weekend

Es ist wieder einmal soweit. Wie beim VERZAUBERT Filmfest Ende April angekündigt, findet in der Zeit vom 20. November bis zum 06. Dezember in den Städten Frankfurt, Köln, München und Berlin das VERZAUBERT Film Weekend statt. Die konkreten Termine, sowie der Veranstaltungsort der anderen Städte und das ausführliche Programm findet ihr hier.

In Berlin startet das Film Weekend am Freitag, den 04. Dezmeber 2009 um 20.00 Uhr im CineStar im Sony Center am Potsdamer Platz.

Meine Wunschliste an Filmen für dieses Wochenende:

Freitag, 04.12.2009
DARE

Samstag, 05.12.2009
REDWOODS
GAY PROPAGANDA NIGHT



Sonntag, 06.12.2009
HOLLYWOOD, JE T'AIME
SEX, PARTY AND LIES
MAKE THE YULETIDE GAY
EATING OUT III - ALL YOU CAN EAT

Samstag, 4. Juli 2009

Loggerheads (USA 2005)

In einem kleinen Strandort an der Küste North Carolinas nimmt Hotelmanager George den hübschen Vagabunden Michael unter seine Fittiche. Der seltsam entrückte junge Mann mit seiner erstaunlichen Liebe für Loggerheads (einer bedrohten Schildkröten-Spezies) scheint vor etwas davon zu laufen. Die beiden verlieben sich...

Nicht weit davon entfernt, im wenig paradiesischen Spießerkaff Eden, fühlt sich Priestergattin Elizabeth von der Ankunft ihrer neuen schwulen Nachbarn empfindlich gestört. Doch unter der konventionellen Fassade der spröden Frau schwelt eine tiefere Sorge...

Kurz entschlossen schmeißt die angepasste Grace ihren Job und macht sich auf die Suche nach ihrem einst zur Adoption frei gegebenem Sohn. Seine Spur führt in ihre Heimat North Carolina...

Als "Loggerheads" werden Menschen bezeichnet, die mit jemand im Streit leben: Mit viel Feingefühl versteht Tim Kirkman in seinem Regiedebüt drei Schicksale in leicht verschiedenen Zeitebenen eindrucksvoll miteinander zu verflechten. Dabei trägt der Film eine dieser besonderen, melancholisch hoffnungsvollen Stimmungen ähnlich wie in THE WEEKEND oder THE UNKNOWN CYCLIST.






Hate Crime (USA 2005)

Seit sechs Jahren leben Robbie and Trey offen als Partner in einer gepflegten Vorortsiedlung von Dallas, Texas. Einziger Streitpunkt in ihrer ansonsten perfekten Beziehung ist die Frage, ob sie ein Kind adoptieren sollten. Mit dem neuen Nachbarn, Sohn eines fundamentalistischen Predigers, ist das Idyll jedoch dahin. Der aggressive Homohasser prophezeit dem Paar, dass es in der Hölle schmoren wird. Eine Drohung, die schnell in Erfüllung zu gehen scheint: Als Trey eines Nachts mit dem Hund Gassi geht, wird er lebensgefährlich zusammengeschlagen. Während er im Koma liegt, ermittelt die Polizei gegen den Nachbarn. Doch dessen Eltern geben ihm ein Alibi. Robbie, Treys Angehörige und Nachbarin Kathleen sind zunächst ohnmächtig vor Wut und Verzweiflung...

Regisseur Tommy Stovall konnte für sein ungemein sicher und kraftvoll inszeniertes Erstlingswerk um Intoleranz, Gewalt und Sühne ein eindrucksvolles Darstellerensemble gewinnen: Als Pastor Boyd brilliert Bruce Davison (für die Rolle des David in LONGTIME COMPANION mit dem Golden Globe ausgezeichnet) – und die Lieblingsbesetzung der Farrelly-Brüder (VERRÜCKT NACH MARY), Lin Shaye, spielt wie immer alle an die Wand. Auch hier mimt sie die Nachbarin, doch diesmal etwas weniger gebräunt und mit einem sehr viel ernsteren Part. Traurig, aber wahr: Eine ähnlich religiöse Antischwulen-Webseite, wie Robbie sie im Film entdeckt, existiert in den USA tatsächlich.


Hard Pill (USA 2005)

Die Pille, die hetero macht! Eine viel versprechende Perspektive für den gefrusteten Tim. Zu Frauen hat er schließlich einen guten Draht, doch seine Erfolge in der oberflächlichen Schwulenszene sind gleich Null, und die besten Typen sind eh straight. Also lässt er sich als Versuchskaninchen für eine medizinische Studie zur Veränderung der sexuellen Veranlagung anheuern. Die Wirkung der Wunderkugeln ist rasant und eindrucksvoll. Aber wie reagiert Tims Umfeld? Bis auf Kollegin Sally, die endlich ihre Chance gekommen sieht, ist sein Freundeskreis entsetzt. Und auch als Hetero ist nicht alles eitel Sonnenschein, muss der erstaunte Tim bald erkennen...

Hintergründig untersucht Regisseur John Baumgartner das Verhalten seiner schwulen und heterosexuellen Testpersonen in dieser provokanten Versuchsanordnung mit einer gar nicht so undenkbaren Prämisse.


Happy Endings (USA 2004)

Nach einer chaotischen ersten Liebe zu seiner blutjungen Stiefschwester Mamie (die prompt von ihm schwanger wird) lebt Charley 12 Jahre später in einer Langzeitbeziehung mit Partner Gil. Ihre besten lesbischen Freundinnen Pam (Sarah Clarke, 24) und Diane (Laura Dern) haben sich einmal Gils Sperma geborgt. Es hätte damit nicht geklappt, behaupten sie heute, doch verdammt will Charley sein, wenn das Gör Gil nicht wie aus dem Gesicht geschnitten ist...

Stiefschwester Mamie (Lisa Kudrow, FRIENDS) wird mittlerweile erpresst. Filmemacher Nick behauptet, er kenne die Identität des Babys, das Mamie einst zur Adoption frei gab, verlangt allerdings das glückliche Wiedersehen filmen zu dürfen... Otis dagegen versucht krampfhaft seinen Vater davon zu überzeugen, dass er wirklich auf Frauen steht. Die momentan obdachlose Jude kommt für eine Alibi-Affäre wie gerufen, wechselt aber schon tags darauf ins Bett des Erzeugers...

Ein schlagfertiger Mix aus Gesellschaftssatire und explosivem Charakterdrama: Bissig und unvorhersehbar, verbindet HAPPY ENDINGS seine skurrilen Figuren zu einem Ensemblefilm mit hervorragendem Cast.










FAQS (Großbritanien/USA 2005)

"Ich möchte Spaß beim Sex", verlangt der junge India empört, als er bei dem verabredeten Pornodreh in einem schäbigen Hotelzimmer die Rolle eines Vergewaltigungsopfers spielen soll. Auch sonst lässt sich der hübsche Kerl nichts gefallen und riskiert ganz gern mal einen Spruch zuviel – so wird er bald von Schwulenklatschern gehetzt. Doch ein Schutzengel naht in Gestalt der Colt schwingenden Destiny, die ihr Viertel regelmäßig auf homophobe Schläger patrouilliert und den Youngster spontan bei sich untertauchen lässt. Bald gesellt sich noch Spencer, Indias Lover, dazu und gemeinsam mit Destinys Roommate Lester kommt richtig gute Laune bei den Jungs auf: Nach der erfolgreichen Missionierung eines (heimlich schwulen) Gaybashers verkündet die quietschbunte WG sogar ein Liebesmanifest gegen unterdrückerische Heteros...

Frech, sexy, wild und romantisch – Everett Lewis (LUSTER) ist zurück. Und bringt uns nicht nur die eindrucksvollste Drag Queen seit PRISCILLA, er taucht in seiner Independent-Komödie die hinreißend knackig-saftigen Guerilleros in so betörend schöne warme Neonfarben, dass man sich gar nicht satt sehen mag.



Eighteen (Kanada 2005)

Mit Wut im Bauch ist Pip von zu Hause abgehauen und lebt nun auf der Straße. Einzig mit dem jungen Stricher Clark verbindet ihn eine kumpelhafte Freundschaft. Clark glaubt lieber an Cash als an Liebe unter Männern und übersieht dabei seinen größten Fan, den schüchternen Kassierer Jeff. Doch dieser hat gespart bis er sich einen romantischen Abend mit Clark – samt Entjungferung auf seinem mit Kuscheltieren überladenen Kinderbett – leisten kann. Mittlerweile hat Pip eine Affäre mit der hübschen Sozialarbeiterin Jennie begonnen. Aber die Geister der Vergangenheit und der Hass auf seinen Vater machen es ihm unmöglich, Gefühle zu zeigen. Als er zum 18. Geburtstag eine Tonbandaufnahme seines Großvaters bekommt, die von dessen traumatischen Fronterlebnissen als Teenager im Zweiten Weltkrieg berichtet, fängt Pips Bad-Boy-Fassade zu bröckeln an…

Drei 18-jährige, drei Welten – alle geprägt von großer Zerrissenheit und Verzweiflung, über die letztendlich die Energie und Hoffnung der Jugend siegt. Mit prominent besetzten Nebenfiguren wie Alan Cumming (REEFER MADNESS) und Sir Ian McKellen (GODS AND MONSTERS, hier als Stimme des Großvaters) verknüpft EIGHTEEN die Stories von Pip, Clark und Granddad Jason als junger Soldat auf ungewöhnliche Weise und scheut sich nicht, mal in schockierende, mal ergreifend anrührende Fahrwasser zu lenken – ganz wie es der bittersüße Pathos dieses Alters verlangt.


C.R.A.Z.Y. (Kanada 2005)

Regisseur Jean-Marc Vallées wilde Hommage an drei rockende Jahrzehnte brodelnder Popkultur und das Aufbegehren der jungen Generation reüssiert auf allen Ebenen seiner komplexen Erzählung: Ob als bewegendes Coming-out-und-Coming-of-Age-Drama im Montréal der 60er bis 80er Jahre, ob als tragikomische Chronik einer liebevoll schrulligen Sippe oder magisches Epos über Gott, Drogen, Sex und Bowies' "Space Oddity".

Dass Zachary ein Querkopf ist, lässt er die Familie schon bei seiner Geburt spüren: Ausgerechnet am Weihnachtsabend muss der Bengel ans Licht der Welt drängeln – Dad bereits in Chansons schmetternder Feierlaune, seine Brüder gerade im Anschlag, die ersehnten Geschenke aufzureißen. Nun müssen alle ins Krankenhaus hetzen, die Ankunft eines weiteren Sohns des gut bürgerlichen Katholiken-Clans Beaulieu zu begrüßen, den Vierten wohlgemerkt! Dieser "göttliche" Geburtstermin prägt Zachary auf vielfältigste Weise. Während Mama Laurianne ihren Kleinen stets als jemand besonderen idealisiert (und in der Nachbarschaft gar das Gerücht verbreitet, er verfüge wie Jesus über wundersame Heilkräfte), bleibt für Paps Gervais sein "etwas anderer" Sohn mit dem Hang zum Mädchenkram und Major Tom ein Buch mit sieben Siegeln; ein Knabe, auf den er dringend ein Auge haben sollte.

Zentraler Aspekt des Films sind die unglaublich spannend erzählten unterschiedlichen Vater-Sohn-Beziehungen: Auf der einen Seite die Bevorzugung des Ältesten, Frauenheld Ray, der Gervais' Definition von Männlichkeit zwar vollends entspricht, doch sich letztendlich als Enttäuschung entpuppt. Auf der anderen Seite des Vaters inbrünstiger Kampf um Zacs "Heterosexualisierung", dessen mit viel Humor inszenierter "Leidensweg" zum offen schwulen jungen Mann immer wieder die bizarrsten Irrwege einschlägt.

C.R.A.Z.Y ist geballte Emotion. Vom herzhaften Lachen, romantischen Mitfiebern bis zur Taschentuchattacke hat der Film seine Zuschauer fest im Griff und wurde auf dem Toronto International Film Festival als bester kanadischer Film 2005 ausgezeichnet.



Almost Normal (USA 2005)

Vierzig Jahre alt und immer noch Single: In einem Anfall von Midlife-Crisis wünscht sich der schwule Brad, einfach "normal" zu sein. Eine Alkohol-schwere Nacht und einen Autounfall später wacht der Verzweifelte in einer längst vergangenen Zeit auf: er ist wieder auf der Highschool und die ganze Welt um ihn herum ist plötzlich schwul. Mädchen gehen mit Mädchen, Jungs mit Jungs. Cool! Für Brad geht ein lang ersehnter Traum in Erfüllung, oder besser ein Traumprinz: Bald hat er Roland Davis, den heißesten Typ der Abschlussklasse, erobert. Die Beziehung ist so perfekt romantisch, dass die beiden sogar Heiratspläne schmieden. Brad schwebt im siebten Himmel. Endlich fühlt er sich einmal vollends "richtig herum"… naja, fast. Denn abseits von der queeren Norm fällt sein Blick immer öfter auf das traurige Grüppchen, das als "Breeder" beschimpft heimlich von gemischt geschlechtlicher Liebe träumt. Wie zum Beispiel seine einst beste Freundin Julia, zu der sich Beau Brad zum Entsetzen der ganzen Schule allmählich sexuell hingezogen fühlt. Doch verflixt, was hat der unfreiwillige Querulant für eine Wahl? "Normal" zu sein ist einfach nicht seine Stärke…



Adam & Steve (USA 2005)

New York in den 80ern: die Zeit der schlechten Frisuren, wilden Discoparties und exotischen Drogen-Cocktails. Der bleich geschminkte Gothic Adam kann seine Augen nicht vom muskulösen Glitzer-Gogo-Tänzer Steve lassen. Doch dank einer Menge mit Babyabführmittel verschnittenem Koks endet der heiße One-Night-Stand in einem zum Brüllen peinlichen Desaster...

15 Jahre später verliebt sich Großstadtneurotiker Adam in einen gut aussehenden Arzt, der sich in der Notaufnahme seines verletzten Hundes fürsorglich angenommen hat. Der ist trotz Reinlichkeitsfimmel nicht nur äußerst promisk (es gibt ja Sportstudioduschen!) und hat ein Faible für schwulen Cowboy-Paartanz, leider entpuppt er sich auch als der Gogo-Tänzer jener Nacht, die beide nur allzu gerne komplett verdrängen würden. Allerdings ahnen die frisch entflammten Turteltauben noch nichts von der gemeinsamen Vergangenheit...

Wunderbar charmante Großstadt-Liebeskomödie von den LATTER DAYS Produzenten.


Sonntag, 28. Juni 2009

Wilby Wonderful (Kanada 2003)

Ganz gleich wohin sich Dan Jarvis auch zurückzieht, der maskuline Duck MacDonald ist immer in unmittelbarer Nähe. Dabei sucht der leicht demoralisierte Videothekbesitzer nur eins: einen stillen Ort, um seiner scheinbar nutzlosen Existenz ein Ende zu bereiten. Aber unter Ducks stahlblauem Wachhundblick will das partout nicht gelingen. Fragt sich, was eigentlich die Hintergründe für Dans Überdruss sind und warum Duck sich derart hartnäckig an seine Fersen heftet. Könnte es sein, dass die beiden mal etwas miteinander hatten und der schweigsame Blonde neuen Lebenssinn für den Unglücklichen bereit hält? Nicht dass Dan der einzige Charakter mit Problemen in dieser charmanten Ensemble Komödie der leisen Töne wäre. Das idyllische, kanadische Nest Wilby brodelt geradezu von Klatschgeschichten, aufkeimenden Skandalen und angestauten Emotionen: Die karrieresüchtige Maklerin Carol (umwerfend: Sandra Oh) ist so damit beschäftigt, die Gunst des korrupten Bürgermeisters zu ergattern, dass sie nicht registriert, wie ihr Cafébesitzerin Sandra den frustrierten Gatten Buddy ausspannen will. Dieser wiederum versucht als willenstarker Polizist die Hysterie der Stadt und Bürger ob einer vermeintlichen Drogenschwemme zu dämpfen, die irgendwie mit einem neuen Golfplatz zusammenhängt...

Willkommen in WILBY WONDERFUL!


Walk On Water (Israel 2004)

Widerwillig akzeptiert der auf effizientes Töten spezialisierte israelische Agent Eyal seinen neuesten banalen Auftrag: Um einen seit Ende des 2. Weltkriegs untergetauchten deutschen Altnazi aufzuspüren, wird er auf dessen Enkel Pia und Axel angesetzt. Als "Reiseführer" soll er dem Berliner Axel bei seinem Israelbesuch das Land zeigen und sein Vertrauen erschleichen. Eine größere Herausforderung als gedacht, denn der blonde Besucher erweist sich als das totale Gegenteil des cool-kernigen Machos: als liberal-idealistischer, weltfremder "Softie" – und als offener Schwuler, der sogar mit Arabern schläft...

Nach ihrem Riesenerfolg YOSSI UND JAGGER haben Regisseur Eytan Fox und sein Team erneut ohne Rücksicht auf Verluste heiße Eisen angepackt: Homophobie, Fremdenhass und das deutsch-israelische Verhältnis wurden geschickt zur packenden Geschichte einer spannungsgeladenen Männerbeziehung verwoben, in deren Verlauf beide Hauptfiguren bis an die äußersten Grenzen ihrer Überzeugungen geführt werden.




Touch Of Pink (Kanada/GB 2004)

Nach den furiosen Wortgefechten in MAMBO ITALIANO (und einer ersten Wegbereitung durch KICK IT LIKE BECKHAM), prallen nun höchst vergnüglich indische Kultur mit schwulem Lifestyle aufeinander...

Längst hat Alim seine gut bürgerliche indisch-kanadische Herkunft abgestreift und genießt die Freiheiten der Londoner Szene sowie die Beziehung zu seinem englischen Lover Giles. Als sich Alims Mutter – verwitwet, frustriert und vor allem auf einen Stall Enkelkinder hoffend – in England ankündigt, um ihrem Sohnemann endlich wieder anständige Mango-Pickles-Sandwiches zu schmieren und die für Inder obligatorische knallbunte Hochzeit voranzutreiben, stehen den Männern Schweißperlen auf der Stirn. In wilder Panik wird die Wohnung "entschwult", Giles als Roomate umgepolt und dessen Schwester zur Verlobten ernannt. Verständlich, dass bei so viel Trouble Giles an seine Toleranzgrenzen stößt. Warum kann sich sein Freund nicht outen? Der würde ja gern, wenn's nicht so schwer wäre. Und wenn sich sein imaginärer Freund, der Geist von Cary Grant (herrlich: Kyle MacLachlan aus SEX AND THE CITY), dessen Mode- und Benimmtipps mittlerweile selbst den treuherzigen Alim mit Skepsis erfüllen, nicht permanent ins Geschehen einmischen würde.


Testosterone (Argentinien/USA 2003)

Dean, ein erfolgreicher Comicbuchautor in Los Angeles, hat ein Problem. Die Liebe seines Lebens, der heißblütige Pablo (Antonio Sabato Jr.), ist verschwunden. Eben wollte er Zigaretten holen gehen – und plötzlich heißt es, er sei zurück nach Argentinien. Nach schlaflosen Nächten und totaler Kreativflaute fliegt der vom Liebeskummer Besessene kurz entschlossen (und ohne jegliche Spanischkenntnisse) nach Buenos Aires, um für klare Verhältnisse zu sorgen. Doch dort ist er eindeutig nicht willkommen. Angefangen bei Pablos eisiger Mutter (Sonia Braga KISS OF THE SPIDER WOMAN), die ohne mit der Wimper zu zucken die Polizei auf ihn hetzt, bis hin zu Pablos alten Freunden, die Dean ständig in die Irre leiten oder verführen wollen. Überall stößt er auf Mauern und vertraut sich schließlich zögernd der Cafébesitzerin Sofia an. Aber es kommt noch dicker: Angeheuerte Schlägertrupps, eine Kettensäge und die eine oder andere unerwartete Leiche sind nur einige bizarre Ereignisse bis schließlich ein sehr überraschender Ausgang alles Vorangegangene toppt...

Black Comedy, Gay Romance und romantischer Thriller in einem!


Prom Queen (Kanada 2004)

Marc platzt vor Freude auf den Abschlussball. Im weißen Frack will der Beau glänzen und mit seinem schnuckeligen Freund Jason prahlen. Als die Schulleitung ihm männliche Begleitung untersagt, fällt er aus allen rosa Wolken. Sicher, das College ist streng katholisch, doch weder Lehrer noch Mitschüler haben sich je an Marcs Lebensstil gestoßen. Umso beängstigender, aus welchen Ecken ihn nun harte Vorurteile anspringen. Aber unser Held gibt nicht bei. Per WWW wendet er sich an die Welt und wird vom einsetzenden Medienrummel fast erschlagen. Plötzlich ist er Messias unterdrückter Minderheiten und Weltenordnung zerstörender Antichrist zugleich. Und ein findiger Anwalt überredet ihn, die katholische Kirche zu verklagen...

Was ein rührseliger "Gerechtigkeit-für-lautere-Schwule"-Gähner hätte werden können, kommt als lockere Comedy daher, poppig wie ein Knallbonbon und voll netter Fiesigkeiten gegen Fanatiker aller Couleur.




Poster Boy (USA 2004)

Der ultrakonservative Senator Jack Kray schießt in seiner Wahlkampagne mit Hassparolen gegen Homosexualität, ohne die Wahrheit über seinen Sprössling Henry zu kennen. Daddys "Poster Boy" soll ihm sogar helfen junge Wählerstimmen zu erschließen. Daneben der politisch aktive, rastlose Anthony, der sich nach der großen Liebe sehnt und auf einer ausschweifenden Studentenparty den hübschen Abgeordnetensohn kennen lernt und mit ihm im Bett landet. Als Anthony am nächsten Morgen herausfindet, dass Henry ausgerechnet der Nachkomme des Mannes ist, gegen den auf dem Campus gerade eine groß angelegte Protestaktion startet, ist er geschockt – und im Dilemma. Denn es hat zwischen den jungen Männern ernsthaft gefunkt. Aber auch Henry ist wütend, immer nur der Spielball anderer Leute zu sein, von seinen Eltern gegängelt (beeindruckend: Karen Allen als unterjochte Mom), von Mitstudenten erpresst und von Journalisten verfolgt...

POSTER BOY überrascht mit ebenso viel Gefühl wie Engagement sowie erstklassiger Schauspieler, die die ergreifende Story aus der Masse schwuler Beziehungsfilme deutlich herausheben. Ein absoluter Tipp!


Latter Days (USA 2003)

50 Dollar für eine tugendreine Unterhose! Pretty boy Christian – Kellner auf dem Sunset Boulevard, Party Animal und One-Night-Stand-Experte – wettet mit seinen Kollegen, dass er mit seinem strahlenden Aussehen selbst den in seinen Apartmentblock neu eingezogenen Jungmormonen Aaron "missionieren" kann. Als Beweis soll er dessen altmodische Unterwäsche vorlegen – keine Kleinigkeit. Denn des Mormonen Beinkleid ist sein Heiligtum, das Tag und Nacht den keuschen Körper bedeckt. Siegessicher stellt sich Christian der Herausforderung. Doch seine Versuche, den strenggläubigen 19-jährigen sexuell zu verwirren, bringen auch sein eigenes Leben gehörig durcheinander...

Regisseur C. Jay Cox (Drehbuch zu SWEET HOME ALABAMA) weiß nur allzu genau, wovon er in seinem Mix aus Komödie und aufwühlender Lovestory erzählt: Als jugendlicher Mormone litt er selbst unter der homophoben Einstellung dieser Glaubensgemeinschaft. Mit LATTER DAYS serviert er uns ein wirklich schnuckeliges Liebespaar und als besonderen Leckerbissen die glamouröse Jaqueline Bisset als mondäne West-Hollywood-Gastronomin – alles gewürzt mit viel Humor, Herzblut und unverschämt viel Romantik!