Samstag, 20. Juni 2009

Brother To Brother (USA 2004)

Für einen schwulen schwarzen Teenager im New York des 21. Jahrhunderts hat sich in punkto Diskriminierung vieles verbessert, aber beileibe nicht alles. Diese Erfahrung macht der künstlerisch begabte Student Perry (Anthony Mackie aus 8 MILE). Seit er zu Hause zur persona non grata erklärt wurde, jobbt er in einer Sozialstation und arbeitetet sich des Nachts an seiner komplizierten Beziehung zu dem weißen, noch ungeouteten Jim ab. Bei einem Poetry Reading lernt Perry einen alten Obdachlosen kennen, der sich als der legendäre Literat Bruce Nugent entpuppt.

Nugent gehörte zur sogenannten Harlem Renaissance, einer Gruppe von Autoren, die heute Schulstoff bilden, seinerzeit jedoch vom weißen (und schwarzen) Establishment bekämpft und diffamiert wurden. Die beiden altersmäßig so unterschiedlichen Männer fühlen sich voneinander angezogen. Obwohl Vertreter verschiedener Epochen, verbindet sie die Bewältigung ähnlicher kreativer, sexueller und gesellschaftlicher Krisen. Selten verweben sich Erzählung und politischer Gegenstand im Film zu einem derart bemerkenswerten, ausdrucksstarken Ergebnis wie in Rodney Evans Regiedebüt.


A Home At The End Of The World (USA 2004)

Der entgegengefieberten Verfilmung von Michael Cunninghams Bestseller aus den 90er Jahren, hier von ihm selbst in Drehbuchform adaptiert, hält die an sie gesetzten Erwartungen mit leichter Hand. Allein schon des göttlichen Casts wegen. Wer hätte gerade von Enfant Terrible Colin Farrell eine derart zarte, einfühlsame Performance wie die als jungfräulicher Bobby Morrow erwartet? Auch Sissy Spacek glänzt in einer Oscar-verdächtigen Darbietung als lockere Provinzmom, die die revolutionären Umbrüche des Zeitgeists, von den Pott rauchenden Hippies bis zur schwulen Clubculture der 80er, mütterlich sanft umarmt.

Die feinsinnige Dreiecksgeschichte, eine Art Jules und Jim, gelebt vor dem Hintergrund wichtiger Kapitel amerikanischer Geschichte, führt uns von den freigeistigen Woodstock-Tagen bis zur bitterkalten Aids-Ära: Nachdem Bobby als Kind mit einigen Schicksalsschlägen zu kämpfen hat und seine Familie verliert, verbringt er den Großteil der Teenyzeit bei den Eltern seines besten Freundes Jonathan. Im Schwall der Pupertätshormone ergeben sich erste zarte Annäherungen zwischen den Jungs.


Zu Beginn der 80er Jahre folgt Bobby dem mittlerweile prächtig entwickelten Jonathan nach New York, um mit ihm in seiner WG, gemeinsam mit Roomate Clare, zu leben. Während Bobby noch kaum über sexuelle Erfahrungen verfügt, aber seine Mitmenschen stets mit einer Art magischen Offenheit in den Bann zieht, nutzt der rastlose Jonathan die Metropole für zahlreiche Affären. Seine heimliche Liebe gilt allerdings immer noch dem Jugendschwarm. Dementsprechend verletzt reagiert er anfänglich, als auch zwischen Bobby und Clare eine intensivere Beziehung entsteht und die beiden miteinander schlafen. Aber mit der Zeit entdeckt das Trio eine Liebe füreinander, in der Eifersucht nicht mehr zählt: Ob Bruder, Geliebte oder Geliebter – die Grenzen beginnen zu verwischen, wenn der Film im folgenden seine drei Protagonisten durch Höhen und Tiefen intensiver zusammenschweißt und trotz tragischer Ereignisse immer eine Note der Hoffnung bereithält, die ausdrückt: Unser Leben ist verhandelbare Masse – wie wir sie formen, obliegt uns selbst. Eine starke Message. Ein starker Film.


The 24th Day (USA 2004)

Dan und Tom – die aufstrebenden Hollywood-Stars James Marsden (X-MEN) und Scott Speedman (UNDERWORLD) – treffen sich, finden sich geil, gehen in die Wohnung des einen. Sie reden und reden. Sex liegt in der Luft. Und doch es kommt anders: Denn während sich Dan nicht erinnern kann, kennt Tom seinen Gegenüber von einer früheren Begegnung, die für ihn tragische Folgen hatte. Nun ist es an Dan, Konsequenzen zu spüren...

Von der Bühne auf die Leinwand übertrug Tony Piccirillo sein intensives Rache Drama über HIV und Schuld. Perfekt in Szene gesetzt und psychologisch brilliant. Sehr geschickt spielt Piccirillo mit der Dynamik der Beziehung der beiden grundsätzlich verschiedenen Typen. Selbstsicher, arrogant und überlegen der Eine; scheu, introvertiert und schüchtern der Andere. Dass Piccirillo darauf verzichtet, das Grundmotiv des Films mit erhobenem Zeigefinger zu erzählen, erhöht die Spannung des klaustrophobischen Thrillers, in dem es auf überraschende Weise um Leben und Tod geht.




Walking On Water (Australien 2002)

Einige der vor Leben geradezu kraftstrotzendsten Filme, ranken seltsamerweise um den Tod. Man denke an Joe Mantellos LOVE! VALOUR! COMPASSION! oder Ferzan Ozpeteks IGNORANT FAIRIES. So schafft es auch Teddy-Gewinner WALKING ON WATER tief unter die Haut zu gehen. Mit ergreifender Leidenschaft, melancholischen Zwischentönen, die nicht ins Sentimentale abrutschen, und erstaunlichem Humor.

Charlie und Anna haben ihrem besten schwerkranken Freund Gavin geschworen, Sterbehilfe zu leisten, sollte es einmal notwendig werden. Doch die "Zeremonie" im Kreis von Freunden und Familie verläuft weniger würdevoll als geplant.

Geschockt flüchten die Anwesenden nach Gavins Tod in verschiedene Zimmer, um kurz darauf in wilder Wut und mit wüsten Beschuldigungen aufeinander loszugehen.

So macht sich Charlie wegen der Tat Vorwürfe und sucht Trost bei seinem Lover Frank. Doch der ist mit der Situation überfordert. Während Mutter Margaret nicht genug Beachtung findet, schlittert Schwiegertochter Kate in die Ehekrise, als sich Anna – als eine Art Schnelltherapie gegen Gavins Verlust – ihren Gatten schnappt. Gefundenes Fressen für Charlie, der Annas Verhalten unmöglich findet und eine Chance wittert, seiner Trauer Luft zu verschaffen.





Le Placard (Frankreich 2000)

Mit einem Budget von fast 100 Millionen Francs und einem ungewöhnlichen Aufgebot an Filmstars avancierte Le Placard (EIN MANN SIEHT ROSA), die französische Antwort auf DER BEWEGTE MANN, zum Komödienüberflieger und spielte selbst in den USA bisher 18 Mal mehr ein als einst Ralf Königs Filmadaption.

Zufällig erfährt die graue Maus François Pignon (Daniel Auteuil, DIEBE DER NACHT) von seiner Kündigung als Buchhalter einer Kondomfabrik. Doch der schwule Nachbarsrentner (Michel Aumont, HIPPOLYTES FEST) spendet pragmatischen Rat und schickt kommentarlos eine Fotomontage François' in eindeutig schwuler Positur an die Firma. Pignons Chef (Jean Rochefort, BARRACUDA) wittert einen Boykott der Hauptzielgruppe seines Kundenstammes wegen vermeintlich homophober Firmenpolitik und weist nicht nur eine Beförderung Pignons an, sondern untersagt geschäftsmännisch jegliche Schwulenfeindlichkeit am Arbeitsplatz. Ein schwerer Schlag für Machorüpel Félix (Gérard Depardieu, ABENDANZUG). Seine schadenfrohen Kollegen (Thierry Lhermitte, LITTLE INDIAN - EIN INDIANER IN PARIS) flunkern ihm vor, er stehe ganz oben auf der Abschussliste, wenn er nicht seine geballte Weltoffenheit in Sachen "Der Schwule - mein bester Freund" hervorkitzele. Sohnemann findet Papa plötzlich ungemein cool, und selbst die Ex-Frau bekundet ungewöhnliches Interesse, während Kollegin Bertrand (Michèle Laroque, MEIN LEBEN IN ROSAROT) sich auf die Fahnen geschrieben hat, Pignon als Orientierungshochstapler zu enttarnen...

LE PLACARD ist ein Mainstreamfilm, der dadurch besticht, dass er ebenso, eher sogar besonders von einem schwulen Publikum genossen werden kann. Hochnotpeinlicher gelenkgeknickter "Ich mach auf schwul" Slapstick bleibt uns dankend erspart. Stattdessen verändert Pignon sein Verhalten mit keinem Wimpernschlag. Vielmehr lässt er den neuen Wahrnehmungsphantasien seiner Mitmenschen freien Lauf. So schlägt dem Betriebshomo wider der Realität alsbald nicht nur das Kaleidoskop schwuler Klischees entgegen, sondern auch Wellen schleimigster PC-Toleranz.


Drift (Kanada/USA 2001)

Drehbuchautor Ryan (R.T. Lee – BEVERLY HILLS - 90210, PARTY OF FIVE, MAD ABOUT YOU) lebt seit drei Jahren mit seinem Freund Joel (Greyson Dayne) in einer harmonischen Beziehung – zu harmonisch, wie Ryan findet. Auf einer Party trifft er den unerfahrenen, wissbegierigen Studenten Leo (Jonathon Roessler), mit dem ihn einiges verbindet. Beide sind von Toronto nach L.A. gezogen und können sich angeregt über Slasher-Movies und schwule Serienkiller unterhalten. Da er diese Ebene bei Joel vermisst, trennt sich Ryan kurzerhand von ihm. Aber war Leo das wert?


Dienstag, 9. Juni 2009

Update Juni -Projekt-

So, es ist soweit. Die ersten interessierten haben sich bei mir gemeldet und wir haben zwei Termine ausgemacht um die bereits vorhandenen Ideen zu besprechen, vielleicht neue Ideen zu bearbeiten und die weitere Vorgehensweise abzusprechen.

Wer Lust hat ist gerne Willkommen, bitte vorher per Mail bei mir melden. Danke 8-)

Folgende Termine stehen zur Auswahl:

Donnerstag, den 11.06.2009 um 11.00 Uhr, Treffpunkt vor dem Cinestar am Potsdamer Platz


Freitag, den 12.06.2009 um 19.30 Uhr, Junction Bar, Gneisenaustr. 18, Berlin-Kreuzberg

Mittwoch, 27. Mai 2009

Update Mai, die dritte! -Projekt-

Vor über einem Jahr, genauer gesagt am 15.03.2008 erblickte dieser Blog das Licht der Welt, bzw. wurde der erste Beitrag von mir geschrieben. Ursprünglich sollte sich diese Internetseite mit dem Thema eines Film- und Fernsehprojektes auseinandersetzten.

Da so ein Projekt leider doch mehr Zeit in Anspruch nahm als mir damals zur Verfügung stand, habe ich die Seite kurzerhand zu einer Art Filmdatenbank umgebaut mit über 100 Einträgen zu den mehr oder weniger bekannten Filmen, die sich mit dem Thema 'Homosexualität' auseinandersetzen.

Um Euch zu beruhigen, das wird auch weiterhin so bleiben, so daß hier eine kleine aber feine und hoffentlich interessante Datenbank für den einen oder anderne Filmliebhaber entsteht. Sollten Euch Filme hier noch fehlen, dann einfach eine Mail schreiben und ich versuche dann so schnell wie möglich einen entsprechenden Hinweis zu posten.



Aber, jetzt kommt die große NEUANKÜNDIGUNG, ich werde mein altes Projekt wieder aufnehmen und suche daher interessierte Leute, die Lust haben eine Fernsehserie zu konzipieren, die sich mit schwul/lesbischen Lebensinhalten auseinandersetzten. Kurz gesagt eine Art 'Queer As Folk' auf Deutsch, oder alle Lieblingsgeschichten aus den bekannten Soaps, wie 'Verbotene Liebe', 'Alles was zählt', 'Hollyoaks', 'As the World turns', 'Brothers & Sister' und andere.

Die Grundidee zu den diversen Handlungen habe ich bereits im Kopf, aber mir fehlt der kreative Austausch mit anderen um voranzukommen.

Sollte der eine oder andere jetzt Interesse haben, freue ich mich natürlich über entsprechene Mail.

Sonntag, 24. Mai 2009

Update Mai, die zweite! -Kurzfilme-

Wie schon geschrieben komme ich nicht wirklich zum Filme schauen, aber um Euch die Wartezeit ein wenig zu verkürzen hier mal mein Vorschlag für interessante Kurzfilme.

Hearts And Hotel Rooms

Brian und Jimmy gehen nach einer unvergesslichen Nacht getrennte Wege. Werden ihre Herzen sie wieder zu einander führen?






Connected

'Connected' ist ein Kurzfilm über zwei einsame Menschen, die sich über eine Zufallsbegegnung in einer U-Bahn treffen. Für einen kurzen Moment in ihrem Leben sind sie glücklich miteinander, bis...




On The Bus

Teenagerjahre. Die besten und schlechtesten Jahre unseres Lebens. Jeremy ist ein gewöhnlicher Teenager, wegen seiner Schüchternheit fantasiert er über Gespräche mit seinem "Crush", Sean. Aber was geschieht, wenn er die Kontrolle verliert über das was sich seiner Meinung nur in seinem Kopf abspielt?




Daddy

Diesen Kurzfilm muss man gesehen haben 8-)




That Thing The Do

Ein junger Mann, der mit seiner Sexualität kämpft, lernt eine wertvolle Lektion des Lebens von seinem jungen Cousin.






41 Sekunden

Samstag, 23. Mai 2009

Update Mai, die erste! -Bücher-

So, nachdem ich mich schon etwas länger nicht mehr gemeldet habe, hier mal ein Lebenszeichen von mir.
Ich werde versuchen in den nächsten Wochen mal wieder den einen oder anderen Film hier vorzustellen. Bitte habt etwas Geduld. Nach dem "Verzaubert Filmfest" bin ich nicht mehr so richtig zum Filme schauen gekommen.

Habe eine weitere Leidenschaft von mir entdeckt - Bücher. Man mag es nicht glauben aber ab und zu lese ich auch mal ganz gerne. Nach erfolgreichem lesen eines Buches, packe ich dann meistens für das nächste halbe Jahr keines mehr an, aber diesmal war es ein wenig anders. Habe in den letzten sechs Wochen doch glatt zehn Bücher gelesen. Ich war selber über mich erstaunt. Her mal meine Leseliste:

- Hakan Lindquist - Ein Traum vom Leben
- Thomas Mindt - Herzschlag L.O.V.E.
- Thorsten Bonsch - Söhne der Rosen
- Fabian Kaden - Murats Traum
- Alex Seinfeld - Das Todesspiel
- L. B. Roth - Das Meer in seinen Augen
- Peter Nathschläger - Geheime Elemente
- Andy Claus - Eric, aus dem Leben eines Miststückes
- David Safier - Mieses Karma
- Jim Stovall - Das ultimative Geschenk

Alle Bücher sind über Amazon erhältlich und dort findet man auch die entsprechende Beschreibung. Viel Spass beim lesen 8-)

P.S. Habe durch eine Freundin noch einen interessanten Link bekommen, der sich mit FanFics beschäftigt. Der Autor 'Einsamer Wolf' schreibt echt superspannende Geschichten. Worum es geht? Es geht um schwule Fußballer! Hier mal meine Favoritenliste:

- 77. Minute
- Heile Welt
- Nachspielzeit
- Wahrheiten
- Verlängerung

Den Link zu seinem Profil findet ihr hier