Samstag, 20. Juni 2009

Hellbent (USA 2004)

Popcorn her und ein nettes Date, hier kommt der erste schwule scary movie! Doch glücklicherweise treibt diesmal kein unappetitlicher Freddy Krüger sein Unwesen, sondern ein gut bestückter Muscle Man im Teufelskostüm. Es ist Halloween in West Hollywood und vier gut gelaunte Freunde in sexy Kostümen machen die lokalen Parties unsicher. Leider ist auch Mr. Devil unterwegs. Soeben hat er zwei Typen beim Sex im Park enthauptet und jetzt ist er der Clique auf den Fersen. Die haben bislang mächtig Spaß und Flirtchancen. Anführer Eddie, ein drahtiger Ex-Cop in Polizeiuniform, findet in Jake sein Special Love Interest für die Nacht und kann es gar nicht eilig genug haben, in eine dunkle Ecke zu verschwinden, und auch Joey, Chaz und Tobey wollen nichts anbrennen lassen.

Doch aufgepasst: Sollte Paul Etheredge-Ouzts in seinem Regiedebüt den Regeln des Horrorgenres folgen, dann wird heißer Sex mit schnellem Ableben belohnt. HELLBENT markiert einen neuen Trend im schwulen Unterhaltungskino: Mut zur Gänsehaut – und starke Nerven!




Dorian Blues (USA 2004)

Dorian ist ein klassischer Fall: sensibler als seine Schulkameraden, voll Abneigung gegen Sport und mit einem Faible für Mode – typisch schwul sozusagen. Auch sein Background erfüllt jedes Klischee: Bruder Ricky ist ein geiler, heterosexueller Sportstar, sein Vater ein konservativer Despot, die Mutter eine desinteressierte, smalltalk brabbelnde Hausfrau. Mit einigen Umwegen – die Kirche, erste zarte Experimente mit schwulem Sex und Psychotherapie – findet Dorian schließlich in sein eigenes Leben und nach New York City.


Doch auch dort muss unser junger Held feststellen, dass er weder seiner Familienbiographie noch sich selbst entkommen kann. Erwachsenwerden ist nicht einfach, aber Liebe und Freundschaft sind, erst einmal erkannt und tatkräftig anvisiert, gute Mittel zum Überleben.
Spaßiger Coming-out-Film und zugleich eine charmante Familiengeschichte, die mit Ironie nicht zuletzt eine liebevolle Beziehung zwischen zwei ungleichen Brüdern zeigt.



Connie And Carla (USA 2004)

Nia Vardalos (MY BIG FAT GREEK WEDDING) und Toni Collette (MURIELS HOCHZEIT) spielen Connie und Carla, beste Freundinnen seit der High School, die trotz aller Widrigkeiten und mäkelnden Boyfriends von einer großen Zukunft im Show Business träumen. Doch zuerst müssen sie sich mit der harten Realität als singende Kellnerinnen in einer Flughafenbar abfinden, in der sie allabendlich ihr wunderbares Medley (von EVITA bis YENTL) vor mild interessiertem bis Jetlag-geschädigtem Publikum zum Besten geben. Zufällig werden die beiden Zeuginnen eines Mafiahits – bevor sie sich's versehen, fliegen ihnen die Kugeln um die Ohren und sie müssen samt Perückensammlung, einem Kilo Koks und Primärfarben-Make-up-Kit dem Mittleren Westen entfliehen.
Nach langer und sorgfältiger zweiminütiger Diskussion, wo im Land wohl am wenigsten Kultur existiere, steuern sie ihren abgewrackten Kombi schnurstracks in Richtung Hollywood, Los Angeles. Ein finsterer Auftragskiller ist ihnen inzwischen auf der Spur und durchkämmt dabei sämtliche Tingeltangel Shows der USA, um das Duo ein für alle mal unschädlich zu machen.

Connie und Carla haben währenddessen ein Viertel in L. A. entdeckt, in dem alle Männer supersexy sind: West Hollywood – das Gay Mecca Kaliforniens! Dort sehen die Mädels zum ersten Mal in einer Bar auch eine Drag Queen Show – und erkennen wie sie perfekt untertauchen können. Sie werden ''Transvestitinnen''!

Zwischen wunderbar kitschigen, wie auch wirklich hervorragenden Musicalnummern, kreieren sie ihr neues Leben als Frauen, die Männer spielen, die Frauen spielen, was nicht immer leicht fällt. Um ihre Täuschung perfekt zu machen, müssen sie diese Rolle 24 Stunden am Tag durchhalten – nicht einmal ihre schwulen Nachbarn dürfen dahinter kommen. Zu allem Überdruss verliebt sich Carla in einen (heterosexuellen!!) Mann (David Duchovny) und ganz nebenbei wird die Show der beiden zum totalen Renner. Als das Lokalfernsehen schließlich auf sie aufmerksam wird und ihr Cover aufzufliegen droht, sieht es schlecht aus für unser singendes Dreamteam...

Zwei Frauen, die nun wirklich Expertinnen für Komödien sind, haben sich hier zu einem bezaubernden und beschwingten rosaroten Cocktail von einem Film zusammengetan, der durch Charme, Talent, Musik und vor allem viel viel Make-up beschwipst macht und selbst eingefleischte Gegner des leichten Humors zum lautstarken Lachen einlädt.


Brother To Brother (USA 2004)

Für einen schwulen schwarzen Teenager im New York des 21. Jahrhunderts hat sich in punkto Diskriminierung vieles verbessert, aber beileibe nicht alles. Diese Erfahrung macht der künstlerisch begabte Student Perry (Anthony Mackie aus 8 MILE). Seit er zu Hause zur persona non grata erklärt wurde, jobbt er in einer Sozialstation und arbeitetet sich des Nachts an seiner komplizierten Beziehung zu dem weißen, noch ungeouteten Jim ab. Bei einem Poetry Reading lernt Perry einen alten Obdachlosen kennen, der sich als der legendäre Literat Bruce Nugent entpuppt.

Nugent gehörte zur sogenannten Harlem Renaissance, einer Gruppe von Autoren, die heute Schulstoff bilden, seinerzeit jedoch vom weißen (und schwarzen) Establishment bekämpft und diffamiert wurden. Die beiden altersmäßig so unterschiedlichen Männer fühlen sich voneinander angezogen. Obwohl Vertreter verschiedener Epochen, verbindet sie die Bewältigung ähnlicher kreativer, sexueller und gesellschaftlicher Krisen. Selten verweben sich Erzählung und politischer Gegenstand im Film zu einem derart bemerkenswerten, ausdrucksstarken Ergebnis wie in Rodney Evans Regiedebüt.


A Home At The End Of The World (USA 2004)

Der entgegengefieberten Verfilmung von Michael Cunninghams Bestseller aus den 90er Jahren, hier von ihm selbst in Drehbuchform adaptiert, hält die an sie gesetzten Erwartungen mit leichter Hand. Allein schon des göttlichen Casts wegen. Wer hätte gerade von Enfant Terrible Colin Farrell eine derart zarte, einfühlsame Performance wie die als jungfräulicher Bobby Morrow erwartet? Auch Sissy Spacek glänzt in einer Oscar-verdächtigen Darbietung als lockere Provinzmom, die die revolutionären Umbrüche des Zeitgeists, von den Pott rauchenden Hippies bis zur schwulen Clubculture der 80er, mütterlich sanft umarmt.

Die feinsinnige Dreiecksgeschichte, eine Art Jules und Jim, gelebt vor dem Hintergrund wichtiger Kapitel amerikanischer Geschichte, führt uns von den freigeistigen Woodstock-Tagen bis zur bitterkalten Aids-Ära: Nachdem Bobby als Kind mit einigen Schicksalsschlägen zu kämpfen hat und seine Familie verliert, verbringt er den Großteil der Teenyzeit bei den Eltern seines besten Freundes Jonathan. Im Schwall der Pupertätshormone ergeben sich erste zarte Annäherungen zwischen den Jungs.


Zu Beginn der 80er Jahre folgt Bobby dem mittlerweile prächtig entwickelten Jonathan nach New York, um mit ihm in seiner WG, gemeinsam mit Roomate Clare, zu leben. Während Bobby noch kaum über sexuelle Erfahrungen verfügt, aber seine Mitmenschen stets mit einer Art magischen Offenheit in den Bann zieht, nutzt der rastlose Jonathan die Metropole für zahlreiche Affären. Seine heimliche Liebe gilt allerdings immer noch dem Jugendschwarm. Dementsprechend verletzt reagiert er anfänglich, als auch zwischen Bobby und Clare eine intensivere Beziehung entsteht und die beiden miteinander schlafen. Aber mit der Zeit entdeckt das Trio eine Liebe füreinander, in der Eifersucht nicht mehr zählt: Ob Bruder, Geliebte oder Geliebter – die Grenzen beginnen zu verwischen, wenn der Film im folgenden seine drei Protagonisten durch Höhen und Tiefen intensiver zusammenschweißt und trotz tragischer Ereignisse immer eine Note der Hoffnung bereithält, die ausdrückt: Unser Leben ist verhandelbare Masse – wie wir sie formen, obliegt uns selbst. Eine starke Message. Ein starker Film.


The 24th Day (USA 2004)

Dan und Tom – die aufstrebenden Hollywood-Stars James Marsden (X-MEN) und Scott Speedman (UNDERWORLD) – treffen sich, finden sich geil, gehen in die Wohnung des einen. Sie reden und reden. Sex liegt in der Luft. Und doch es kommt anders: Denn während sich Dan nicht erinnern kann, kennt Tom seinen Gegenüber von einer früheren Begegnung, die für ihn tragische Folgen hatte. Nun ist es an Dan, Konsequenzen zu spüren...

Von der Bühne auf die Leinwand übertrug Tony Piccirillo sein intensives Rache Drama über HIV und Schuld. Perfekt in Szene gesetzt und psychologisch brilliant. Sehr geschickt spielt Piccirillo mit der Dynamik der Beziehung der beiden grundsätzlich verschiedenen Typen. Selbstsicher, arrogant und überlegen der Eine; scheu, introvertiert und schüchtern der Andere. Dass Piccirillo darauf verzichtet, das Grundmotiv des Films mit erhobenem Zeigefinger zu erzählen, erhöht die Spannung des klaustrophobischen Thrillers, in dem es auf überraschende Weise um Leben und Tod geht.




Walking On Water (Australien 2002)

Einige der vor Leben geradezu kraftstrotzendsten Filme, ranken seltsamerweise um den Tod. Man denke an Joe Mantellos LOVE! VALOUR! COMPASSION! oder Ferzan Ozpeteks IGNORANT FAIRIES. So schafft es auch Teddy-Gewinner WALKING ON WATER tief unter die Haut zu gehen. Mit ergreifender Leidenschaft, melancholischen Zwischentönen, die nicht ins Sentimentale abrutschen, und erstaunlichem Humor.

Charlie und Anna haben ihrem besten schwerkranken Freund Gavin geschworen, Sterbehilfe zu leisten, sollte es einmal notwendig werden. Doch die "Zeremonie" im Kreis von Freunden und Familie verläuft weniger würdevoll als geplant.

Geschockt flüchten die Anwesenden nach Gavins Tod in verschiedene Zimmer, um kurz darauf in wilder Wut und mit wüsten Beschuldigungen aufeinander loszugehen.

So macht sich Charlie wegen der Tat Vorwürfe und sucht Trost bei seinem Lover Frank. Doch der ist mit der Situation überfordert. Während Mutter Margaret nicht genug Beachtung findet, schlittert Schwiegertochter Kate in die Ehekrise, als sich Anna – als eine Art Schnelltherapie gegen Gavins Verlust – ihren Gatten schnappt. Gefundenes Fressen für Charlie, der Annas Verhalten unmöglich findet und eine Chance wittert, seiner Trauer Luft zu verschaffen.





Le Placard (Frankreich 2000)

Mit einem Budget von fast 100 Millionen Francs und einem ungewöhnlichen Aufgebot an Filmstars avancierte Le Placard (EIN MANN SIEHT ROSA), die französische Antwort auf DER BEWEGTE MANN, zum Komödienüberflieger und spielte selbst in den USA bisher 18 Mal mehr ein als einst Ralf Königs Filmadaption.

Zufällig erfährt die graue Maus François Pignon (Daniel Auteuil, DIEBE DER NACHT) von seiner Kündigung als Buchhalter einer Kondomfabrik. Doch der schwule Nachbarsrentner (Michel Aumont, HIPPOLYTES FEST) spendet pragmatischen Rat und schickt kommentarlos eine Fotomontage François' in eindeutig schwuler Positur an die Firma. Pignons Chef (Jean Rochefort, BARRACUDA) wittert einen Boykott der Hauptzielgruppe seines Kundenstammes wegen vermeintlich homophober Firmenpolitik und weist nicht nur eine Beförderung Pignons an, sondern untersagt geschäftsmännisch jegliche Schwulenfeindlichkeit am Arbeitsplatz. Ein schwerer Schlag für Machorüpel Félix (Gérard Depardieu, ABENDANZUG). Seine schadenfrohen Kollegen (Thierry Lhermitte, LITTLE INDIAN - EIN INDIANER IN PARIS) flunkern ihm vor, er stehe ganz oben auf der Abschussliste, wenn er nicht seine geballte Weltoffenheit in Sachen "Der Schwule - mein bester Freund" hervorkitzele. Sohnemann findet Papa plötzlich ungemein cool, und selbst die Ex-Frau bekundet ungewöhnliches Interesse, während Kollegin Bertrand (Michèle Laroque, MEIN LEBEN IN ROSAROT) sich auf die Fahnen geschrieben hat, Pignon als Orientierungshochstapler zu enttarnen...

LE PLACARD ist ein Mainstreamfilm, der dadurch besticht, dass er ebenso, eher sogar besonders von einem schwulen Publikum genossen werden kann. Hochnotpeinlicher gelenkgeknickter "Ich mach auf schwul" Slapstick bleibt uns dankend erspart. Stattdessen verändert Pignon sein Verhalten mit keinem Wimpernschlag. Vielmehr lässt er den neuen Wahrnehmungsphantasien seiner Mitmenschen freien Lauf. So schlägt dem Betriebshomo wider der Realität alsbald nicht nur das Kaleidoskop schwuler Klischees entgegen, sondern auch Wellen schleimigster PC-Toleranz.


Drift (Kanada/USA 2001)

Drehbuchautor Ryan (R.T. Lee – BEVERLY HILLS - 90210, PARTY OF FIVE, MAD ABOUT YOU) lebt seit drei Jahren mit seinem Freund Joel (Greyson Dayne) in einer harmonischen Beziehung – zu harmonisch, wie Ryan findet. Auf einer Party trifft er den unerfahrenen, wissbegierigen Studenten Leo (Jonathon Roessler), mit dem ihn einiges verbindet. Beide sind von Toronto nach L.A. gezogen und können sich angeregt über Slasher-Movies und schwule Serienkiller unterhalten. Da er diese Ebene bei Joel vermisst, trennt sich Ryan kurzerhand von ihm. Aber war Leo das wert?


Dienstag, 9. Juni 2009

Update Juni -Projekt-

So, es ist soweit. Die ersten interessierten haben sich bei mir gemeldet und wir haben zwei Termine ausgemacht um die bereits vorhandenen Ideen zu besprechen, vielleicht neue Ideen zu bearbeiten und die weitere Vorgehensweise abzusprechen.

Wer Lust hat ist gerne Willkommen, bitte vorher per Mail bei mir melden. Danke 8-)

Folgende Termine stehen zur Auswahl:

Donnerstag, den 11.06.2009 um 11.00 Uhr, Treffpunkt vor dem Cinestar am Potsdamer Platz


Freitag, den 12.06.2009 um 19.30 Uhr, Junction Bar, Gneisenaustr. 18, Berlin-Kreuzberg