Samstag, 16. August 2008

Hit And Runway (USA 1999)


Mit seiner schwarzen Intellektuellenbrille, den unhippen Klamotten und seiner verdrucksten Statur besitzt Elliot Springer nicht nur eine fatale Ähnlichkeit mit Woody Allen, er teilt auch viele Eigenschaften mit dem berühmten Filmemacher: Er ist jüdisch, gewitzt und ein begnadeter Drehbuchautor. Mit einem signifikanten Unterschied jedoch: Elliot ist schwul und damit in jeder Beziehung das genaue Gegenteil von Alex: groß, dunkel, gutaussehend, italienischer Abstammung, und so hetero, wie man nur sein kann. Als ausgerechnet die beiden sich zusammentun, um ein markiges Action-Drehbuch zu schreiben, sind Misstrauen und Missverständnisse vorprogrammiert. Und wie Christopher Livingston und Jaffe Cohen die Streits ihrer Protagonisten über Sex, Gewalt und Integrität mit bestechendem Dialogwitz auf die Leinwand bringen, hat tatsächlich viel von Allen’schem Flair.

Edge Of Seventeen (USA 1998)


Eric hat sein Dasein als Jungfrau satt, ist er doch gerade schon siebzehn geworden und immer noch ist nichts passiert. Da taucht Rod auf und alles ändert sich. Unter den Schwingen des 21-Jährigen blüht der verschmitzte Tellerwäscher so richtig auf. Wir schreiben das Jahr 1984, wandeln in Ohio, und wer sein Image als Landei abstreifen will, muss sich zu den Rhythmen von Eurythmics und Bronski Beat in eine Miniversion von Boy George verwandeln. Die Klassenkameraden identifizieren den orange eingefärbten Eric mit Eyeliner und Rüschen längst als queer. Doch der ist sich selbst noch unsicher, welche sexuellen Vorlieben er weiterverfolgen sollte, auch wenn der Knabe wohlig kichert, als ihm der erste blonde Kerl an den Nippeln knabbert. Und da es Eric mit der Wahrheit anderen und sich selbst gegenüber, nicht so genau nimmt, wird in der Folge aus so manchem Schmetterling im Bauch ein Frosch im Hals und die Wonneproppen-Butch Angie (Lea Delaria) hat alle Hände voll zu tun, verletzte Gemüter zu trösten.

The Broken Hearts Club (USA 2000)


Sie sind sportlich, haben jede Woche genügend Frischfleisch vor der Nase und wohnen in Hollywood. Doch von Liebeskummer bleiben auch sie nicht verschont. Auffangbecken am Boden zerstörter Coming-outler, verschnupfter Drama Queens und zurückgestoßener Schauspieler ist die schwule Softball-Mannschaft Broken Hearts League. Wenn sich die Sportler allerdings während des Spiels im doppelten Sinne an die Gegner heranpirschen und gegenseitig ausspannen, verwandelt sich die happy family in einen Haufen somalischer Affen: die friedlichsten Geschöpfe der Welt, bis sie sich zur Paarungszeit die Augen auskratzen...


Zum ersten Mal in fast vierzig Jahren, seit William Friedkins DIE HARTEN UND DIE ZARTEN, erhielt ein Film mit gänzlich schwulen und lesbischen Charakteren Rückendeckung von einem großen Studio. Berlanti wurde als Regisseur verpflichtet und durfte in seinem Debüt schwergewichtige Film- und Fernsehstars dirigieren. Grandios, neben Nia Long (IF THESE WALLS COULD TALK 2) als taffe Krawattenbutch, Dean “Supermann” Cain als knackiger Herzensbrecher. Schwule Romantik auf Mainstream geeicht, aber trotzdem ein Highlight der schwulen Filmwelt!

And Then Came Summer (USA 2000)



In fesselnden Bildern illustriert dieses Drama die zarten Anfänge einer großen Jugendliebe... Während eines Sommerurlaubs bei seiner Tante trifft David auf den smarten Zeth. Zaghaft kommen sich die beiden während der gemeinsamen Strandbesuche und abendlichen Lagerfeuer näher. Doch die unschuldigen Berührungen werden jäh unterbrochen, als Zeth im Kreis seiner Familie ein erschütterndes Geheimnis offenbart. Die Eltern hatten versucht, ihren Jungen von seinen Neigungen zu “heilen” und ihn in die Psychiatrie abgeschoben. Nun konfrontiert er sie mit den bitteren Erlebnissen, die ihm dort widerfahren sind. Beinahe wäre er daran zerbrochen. Aber Davids Stärke und Vertrauen geben Zeth den Mut zurück, den Kampf mit seinem Umfeld aufzunehmen. Er ist bereit sich endlich zu befreien.


Samstag, 9. August 2008

Filmupdates - Ende der 90er

So, ich habe mal in meiner Mottenkiste gekramt und ein paar alte Filme ausgegraben. Man merkt anhand dieser Filme schon, was sich in der LGBT Community so alles getan hat und auch die Filme von heute sind anders geworden. Ich hoffe der kleine Rückblick gefällt und für einige von Euch ist was passendes dabei.

Kommendes Wochenende werde ich meinen Blog um weitere Filme aus meinem Bestand aktualisieren und Euch dann hier vorstellen 8-)

Speedway Junkie (Israel/USA 1998)


Im Rausch der Geschwindigkeit das Cockpit aus den Augen verlieren. Abgase, bis einem die Augen tränen. Und jaulender Motorenlärm, der das Gehirn zerfetzt. Johnny ist verrückt nach schnellen Autos. Gerade mal neunzehn und geil nach Asphalt, Rennstrecken und der Pole-Position. Noch ahnt er nicht, daß ihm die heißeste Fahrt seines Lebens bevorsteht.

Kaum in Las Vegas angekommen, gerät der SPEEDWAY JUNKY auf einen Haufen gleichaltriger Jungs. Daß sie alle schwul und Stricher sind, kriegt er gar nicht so schnell mit. Daß sich einer von ihnen auch noch in den standhaften Hetero verliebt, merkt Johnny erst, als es “zu spät“ ist.

Doch gerade vor der wenig glamourösen Kulisse des harten Sexbusiness und eines Spielerparadieses, das kaum weniger schillernd sein könnte, entwickelt sich eine zärtliche hingebungsvolle und geradezu rührende Freundschaft.

Neben den beiden jugendlichen Hauptdarstellern Jesse Bradford (WILLIAM SHAKESPEARE'S ROMEO & JULIET) und Jordan Brower begeistert Hollywood-Star Daryl Hannah als warmherzige, abgewrackte Barschlampe und Mentorin der Jungs.

I Think I Do (USA 1997)


Die bonbonfarben-heitere Welt einer amerikanischen College-Clique aus der ironischen Sicht eines schwulen Regisseurs – das ist die süße Revanche des New Queer Cinema der Endneunziger.

Brendan und Bob, die sich seinerzeit ihre gegenseitige Schwärmerei nicht eingestehen wollten, treffen sich fünf Jahre später auf der Hochzeit eines früheren Kommilitonen. Inzwischen haben beide ihr Coming Out bewältigt, doch ihre Liebe füreinander entpuppt sich als keineswegs erledigt. Ein heilloses Chaos aus Heimlichkeiten, verräterischen Knutschflecken und allgemeiner Hysterie bildet den nicht gerade besinnlichen Hintergrund für verspätete, aber nicht aussichtslose Liebesgeständnisse. „Ja, ich will... naja, vielleicht“ – den ein oder anderen Zweifel an ihren Angebeteten hegen im Verlauf der mehrtägigen Feierlichkeiten fast alle Beteiligten, ob homo oder hetero. Zwar werden einige Karten neu gemischt, doch letztlich winkt das Happy End.

Regisseur Brian Sloan hat in seinem ersten Spielfilm eine klassische “Screwball”-Komödie geschaffen, in der unter anderem Alexis Arquette wieder einmal als einer der wohl besten schwulen amerikanischen Darsteller brilliert.

L'homme Que J'aime (Frankreich 1997)


Selten gelingt noch das Kunststück, die überstrapazierte Coming Out Story so eindringlich in Szene zu setzen, daß wir sie wie beim ersten Mal erleben: Während des täglichen Trainings in den vermeintlich sicheren Hallen eines Schwimmbades flattern dem blonden Turmspringer Lucard Schmetterlinge im Bauch, als er den sehr direkten Annäherungsversuchen des haselnußäugigen Martin zu entfliehen versucht. Das Prickeln, das von Anfang an die beiden elektrisiert, spürt man förmlich auf der eigenen Haut. Nach einigen Griffen in die schwule Zauberkiste der Verführungskunst erliegt der Hüne schließlich Martins Charme und bejaht seine Liebe zum eigenen Geschlecht aus vollem Herzen. Selbst als dieser ihm seine langjährige Krankheit gesteht, kann das Lucard nicht ins Wanken bringen. Er ist wild entschlossen, den schweren Weg gemeinsam mit Martin zu gehen.

Eine poetisch-stürmische Liebesgeschichte entbrennt, die ihre Kraft aus der selbstlosen Fürsorge für den anderen zu ziehen vermag. Trotz dieser anspruchsvollen Thematik gleitet der Film nicht in eine stumme Tragödie ab, sondern sieht sich vielmehr dazu animiert, die Freuden des Lebens in ihrer schönsten Weise zu präsentieren, frei nach dem Motto: Lebe jeden Tag deines Lebens so, als wäre es dein letzter!

Ein rundum gelungener, feiner Film über eine kompromißlose Liebe.

Head On (Australien 1998)


Kopfüber in die Nacht stürzt sich der 19jährige Ari. Rastlos läßt er sich durch Melbournes Straßen treiben. Weg von der miefigen Enge seines Zimmers. Sex. Eine schnelle Nummer! Ari nimmt, was er kriegen kann: junge geile Typen, schmierige Seemänner. Aber selten lohnt der Blick zurück. Es ist ein wilder, ungestümer Beutezug nach Liebe, eine atemlose Flucht nach vorn. Von der ersten Sekunde an erotisiert uns HEAD ON in rauhen, starken Bildern. Jeder Blick aus Aris tiefgründigen Augen, jedes noch so winzige Detail elektrisiert.






Regisseurin Ana Kokkinos (ONLY THE BRAVE) hat ihr komplexes Script mit bravouröser Direktheit, faszinierender Energie und schmerzhafter Spannung umgesetzt. Die tour-de-force eines griechisch-stämmigen Australiers (drop dead gorgeous: Alex Dimitriades) zwischen verstaubter Familientradition, urbanem Lifestyle und schwuler Identität, ist so pulsierend, so hypnotisch und kraftvoll in Szene gesetzt, daß HEAD ON im Sturm die internationale Festivallandschaft eroberte.

Bedrooms & Hallways (Großbritanien 1998)


250.000 Pfund, 1,4 Millionen Pfund – die Häuser, in denen der Immobilienmakler Jeremy seinen neuen Lover Darren verführt, können gar nicht teuer genug sein. Während die Eigentümer den Schlüssel in sicheren Händen wähnen, holen sich die beiden frischverliebten Love Birds in fremden Betten einen zusätzlichen Adrenalin-Kick.

Derweil Darren sich über Mangel an Kinky Sex nicht beklagen kann, sieht’s mit dem Liebesleben seines Mitbewohners Leo ausgesprochen düster aus: Nix, niente, nada! Da hilft es auch nicht weiter, daß er sich in seiner New-Age-Männergruppe in das großgewachsene, dunkle, irische Schmuckstück Brendan verknallt. Denn der scheint glücklich verheiratet. Erst auf einem Survivaltrip stellt sich heraus, daß Brendans Interesse an Leo gar nicht so platonisch ist wie es zunächst schien...


Zum Aufstand der Hormone gesellt sich bald der Aufruhr der Gefühle, als sich Brendans betrogene Frau ausgerechnet als Leos Highschool-Sweetheart Sally entpuppt.

Wie in dieser frechen Sexkomödie für die 90er am Ende doch noch jedes Töpfchen sein Deckelchen findet, gehört zum Unterhaltsamsten, was uns das Cool-Britannia-Kino (i.e. BEAUTIFUL THING) der letzten Jahre beschert hat.